Vučić gesteht Niederlage gegen Studenten ein
Vučić beherrscht Serbiens Politik seit Jahren – die Sitzzahlen stammen aus seiner Projektion, ein amtliches Ergebnis fehlt noch.
Aleksandar Vučić, Spitzenkandidat der regierenden Serbischen Fortschrittspartei (SNS), hat bei der vorgezogenen Parlamentswahl in Serbien am Sonntag, 25. Oktober, seine Niederlage eingeräumt. In einer Ansprache vor seinem Wahlkampfstab in Belgrad erklärte er die oppositionelle Studentenliste zur Siegerin und berief sich dabei auf eine Projektion der Ergebnisse. Danach kommt die Liste auf 135 bis 140 der 250 Mandate. Das wäre die absolute Mehrheit, mit der sie allein eine Regierung bilden könnte.
Ein endgültiges Ergebnis gab es zu diesem Zeitpunkt nach Vučićs Worten noch nicht, die Hochrechnungen zeigten aber klar, dass die SNS verloren habe. Seine Partei erhalte 105 Mandate, alle anderen Parteien hätten den Einzug ins Parlament verpasst. Umfragen hatten ein enges Rennen zwischen der SNS und der Liste „Die Studenten siegen“ vorhergesagt. Mit diesem Ergebnis habe „niemand“ gerechnet, berichtete ZDF-Korrespondent Michael Bewerunge aus Belgrad.
In den Straßen von Belgrad brach nach der Ansprache Jubel aus, hupende Autokorsos fuhren durch die Hauptstadt. Die Wahlbeteiligung hatte schon vor Schließung der Wahllokale den höchsten Stand seit mehr als 30 Jahren erreicht. Nach Angaben von CRTA lag sie um 19 Uhr, eine Stunde vor Ende der Stimmabgabe, bei 67,8 Prozent. Bei der vorherigen Parlamentswahl im Dezember 2023 waren es am Ende 58,8 Prozent.
Der 56-jährige Vučić beherrscht die serbische Politik seit vielen Jahren. Im September war er als Staatspräsident zurückgetreten, über die vorgezogene Wahl wollte er an die Spitze der Regierung zurückkehren. Die Protestbewegung der Studenten entstand vor zwei Jahren nach dem tödlichen Einsturz eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad, der zweitgrößten Stadt des Landes. Hunderttausende demonstrierten danach in Belgrad für Neuwahlen. Es waren laut tagesschau die größten Proteste in Serbien seit dem Sturz von Slobodan Milosevic im Jahr 2000.
Ein konkretes Programm hat die Studentenliste bislang nicht vorgelegt. Nach eigener Aussage will sie zunächst Demokratie und Rechtsstaatlichkeit wiederherstellen, die Korruption bekämpfen und als Übergangsregierung arbeiten.
Bilder im Video (Ausschnitte): Foto: Belgian Presidency of the Council of the EU 2024 / Wikimedia Commons / CC BY 2.0 · Archivbild 2024: Aleksandar Vučić · Foto: Stefan Miljuš (VOA) / Wikimedia Commons / Public domain · Archivbild Dezember 2024: Protest auf dem Slavija-Platz in Belgrad · Foto: Emilija Knezevic / Wikimedia Commons / CC BY 4.0 · Archivbild März 2025: Protest in Belgrad · Foto: Никола Ђорђевић / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0 · Archivbild · Videoclip: Pexels · Quelle
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